Ausstellung des Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem e.V. |
Die
Ausstellung zeigt die Entwicklung von Niederbachem anhand einer
Gegenüberstellung alter und neuer Ortsansichten.
Gleichzeitig
wird eine Collage über die Krautfabrik Zettelmeyer vorgestellt,
mit der ein Gefühl für den Denkmalschutz geweckt werden
soll.
Aus der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden Hans Thelen:
Auch Niederbachem ist älter geworden und hat sich weiterentwickelt. Dies wollen wir als Heimat- und Verschönerungsverein durch eine kleine Ausstellung darstellen.
Unser Dorf hat sich gewandelt. Deshalb lautet auch unser Buch, welches wir 1998 zur 1200-Jahrfeier herausgegeben haben, „ Niederbachem-Ein Dorf im Wandel“.
Unser
Ort ist jetzt mindestens schon 1211 Jahre alt. Die Urkunde, in der
Niederbachem erstmals erwähnt wird, ist abgedruckt im
„Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins“,
mit dem 19.Juli 798 datiert und befindet sich im Hauptstaatsarchiv in
Düsseldorf. Ein Landmann aus Bacheim, namens Hirpingius, damals
im Dienste Karls des Großen auf dem Weg nach Sachsen, hat in
Minden – im Grenzgebiet zu Sachsen, einen Bacheimer Weingarten
an Abt Liudgerus vom Kloster Werden verkauft. Freiwillig oder
unfreiwillig sie dahingestellt.
Damals gab es zwischen Nieder- und
Oberbachem noch keine Trennung. Diese kam erst 1301 als
kirchenrechtliche Trennung.
Niederbachem war römisch, danach
fränkisch geprägt. Im 18-Jahrhundert wurde Niederbachem von
den Franzosen besetzt. Zu Beginn des 19 Jahrhunderts beherrschte
Napoleon das linksrheinische Gebiet und machte auch die
Niederbachemer Bürger zu Franzosen, sie gehörten zur Mairie
Villip. Die Beschlagnahme klösterlichen und kirchlichen Grund
und Bodens und der anschließende Verkauf der Güter an die
Bürger führte zu einer mächtigen
Vermögensumschichtung.
Nachdem die französische
Herrschaft durch den Sturz Napoleons im Jahre 1815 zusammengebrochen
war, übernahm Preußen die Herrschaft im Rheinland.
Die
Niederbachemer waren nun Preußen und in erster Linie
Tagelöhner, betrieben aber auch den arbeitsintensiven Weinbau,
Obstanbau und die Hackfruchtwirtschaft. Gerade die
Hackfruchtwirtschaft drückte dem Ort seinen Stempel auf. Es
entstanden die Niederbachemer Krautfabriken. Hier begründete
bereits Mitte des 19-Jahrhunderts die Familie Zettelmeyer eine lange
Tradition.
Wie überall in Deutschland, setzte gegen und nach
dem Ende des zweiten Weltkriegs eine Art Völkerwanderung ein. So
wurde aus dem kleinen Ort im Drachenfelser-Ländchen, der gerade
mal 450 Einwohner zählte und aus den Orteilen Urchem, Belzem(op
de Kant), Bondorf, Alkersheim und Göllesheim bestand, ein Ort
mit rd. 4000 Einwohnern.
1955 hat die Flurbereinigung einen großen
Einschnitt gegeben. Ein neues Wegenetz war entstanden. Eine rege
Bautätigkeit begann. Es kamen Flüchtlinge aus dem Osten,
Beamte der Bonner Bundesbehörden, Botschaftsangehörige
anderer Länder, Anfang der 60-er Jahre türkische
Gastarbeiter, später Aussiedler aus Russland und Polen sowie
Asylsuchende aus den von Kriegen betroffenen Ländern.
Unsere Vorstandsmitglieder Benedikt Auen, Uli Flöhl, Horst Hüllen und Dr. Heinz Schlesinger haben die bauliche Entwicklung des Ortes durch Bilder, wie war es vorher, wie sieht das heute aus, in dieser kleinen Ausstellung dargestellt. Es hat sich vieles verändert.
Weckung Ihres Interesses für den Denkmalschutz.
Jacob Zettelmeyer begann 1850 auf seinem Anwesen an der
Ecke zwischen Austraße und Bondorfer Straße mit der
Herstellung von Apfel- und Zuckerrübenkraut. Das Unternehmen
ging 1878 auf seinen Sohn Peter Zettelmeyer als „älteste
rheinische Apfel- und Zuckerrübenfabrik“ über. Peter
Zettelmeyer ging als der „Deumann“ in die Niederbachemer
Lokalgeschichte ein.
Es folgte die Gründung der Krautfabriken
Eller, Schreiber, Beissel, Vouhsem, später Hüllen. Dies
noch zur Geschichte des Ortes.
Warum nun Denkmalschutz.
Wohnhaus und
Fabrikationsgebäude des Peter Zettelmeyer an der Ecke
Austraße/Bondorfer Straße waren für Niederbachem
unter historischen Gesichtspunkten ein Blickfang und eine Rarität,
wenn auch zuletzt nicht mehr in gutem Zustand. Ein Aufschrei ging
durch das Dorf, als vor ein paar Jahren das Objekt abgerissen und mit
neuen Häusern bebaut wurde.
Dies war möglich, weil für
das Objekt leider kein Denkmalschutz bestand.
Denkmalschutz
besteht in Niederbachem z.B. für alte Grabkreuze, die
Wegekreuze, wie das Auenkreuz, welches jetzt wieder instandgesetzt
werden soll, für einige Fachwerkhäuser und die Ölmühle
in Urchem.
Wir sind froh, dass der Fronhof Ecke Mehlemer Straße,
ebenfalls ein Blickfang und ein historisch bedeutsames Bauwerk , die
alte Mühle an der Mehlemer Straße (das Gelände
Schmitz) und der Vouhsem-Hof unter Denkmalschutz stehen. Hier ist
aber in allen Fällen großer Renovierungsbedarf
erforderlich. Wir, als Heimatverein, setzen wir uns bei den
Eigentümern und bei der Gemeinde dafür ein, dass diese
Objekte auch als Denkmal erhalten bleiben.
Für den
Denkmalschutz hat der Verein einen besonderen Arbeitskreis gebildet,
der von Dr. Uhl geleitet wird.
Zum Schluss muss ich Ihnen den
Begriff „Der Deumann“ erklären.
Peter Zettelmeyer
muss wohl ein sehr erfindungsreicher unkonventioneller Mensch gewesen
sein. Für seinen Betrieb, die Krautkocherei, hatte er eigens
einen Dampfkessel und eine Hydraulik konstruiert und
aufgestellt.
1898 wurde Zettelmeyer über die Region hinaus
bekannt. Die Stadt Bonn hatte im Rahmen ihrer Modernisierung vor, das
Kulturdenkmal „Altes Sterntor“ abzubrechen und
anderweitig wieder aufzustellen. Es stand der damaligen Stadtplanung
im Wege.
Als die Arbeiten begannen, stellten sich viele
Schaulustige ein, auch Peter Zettelmeyer. Es stellte sich sehr
schnell heraus, dass das Abbrechen des Gemäuers eine mühevolle
Arbeit war, man kam kaum voran. Da kam Peter Zettelmeyer auf die
Idee, hierfür seine hydraulische Anlage einzusetzen. Dies schlug
er der Stadt Bonn vor, die nach anfänglichen Belächeln sich
doch auf den Gedanken einließ. Zettelmeyer transportierte seine
Anlage zum Sterntor, richtete diese aus und ließ, um dem Ganzen
den notwendigen Pfiff zugeben, von seiner zehnjährigen Tochter
Anna, die hydraulische Anlage in Bewegung setzen. (das war die
spätere Frau Stoff) Das Sterntor fiel, es wurde umgedrückt,
im Dialekt. „umgedeut“. Danach hieß Zettelmeyer im
Volksmund „Der Deumann“.
Unsere Vorstandsmitglieder Uli Flöhl, Dr. Karl Fuß, Dr. Heinz Schlesinger und Dr. Harald Uhl haben zu diesem Thema eine Kollage zusammengestellt, z. Teil mit Resten aus dem Gebälk des Deumannhauses, die wir Ihnen ebenfalls heute hier vorstellen.